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die betrachtung eines kunst- oder bauwerks fordert und fördert unsere sehgewohnheiten. sie erweitert unsere wahrnehmungsfähigkeit oder stellt diese in frage. kunst kann sehen lehren. diesen prozess möchte ich auf all meinen tätigkeitsfeldern
unterstützen. goethes viel zitierter satz "man sieht nur was man weiß"
besitzt noch heute uneingeschränkte gültigkeit. daraus ergibt sich eine klare ausrichtung auf das werk und nicht das
leben eines künstlers oder architekten. ich wende mich bewusst gegen
eine heute viel zu verbreitete "künstlergeschichte", die
den meist zum scheitern verurteilten versuch unternimmt, kunstwerke weitgehend
oder gar ausschließlich über die biografie ihres schöpfers
zu erschließen. bei der betrachtung eines gemäldes oder einer skulptur kommt in der regel dem 'wie?' eine erheblich größere Bedeutung zu als dem 'was?'. nicht der inhalt, sondern dessen formale umsetzung ist die grundlage stilistischer oder qualitativer einordnung. max liebermanns aussage "kunst kommt von können. käme
sie von wollen, würde sie wulst heißen." gehört noch
heute zu den meist geäußerten meinungen in diskussionen um
die frage "was ist kunst?". die beurteilung des könnens setzt die kenntnis des wollens voraus. beides kann und muss vor allem aus dem werk selbst herausgesehen werden. nur so ergeben sich obkjektivierbare kriterien für eine stilistische, ästhetische oder qualitative beurteilung. hierfür die augen zu öffnen, ist das wichtigste ziel meiner kunstvermittlung. eine bisher fast ausnahmslos positive resonanz unter lesern und zuhörern bestätigt mich in meinem vorgehen. |